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- Folge 826 -

„Langsam, langsam!“, rief ich dazwischen und hob beschwichtigend die Hände, „wir sind alle etwas nervös! Lasst uns jetzt keine Dinge sagen, die wir hinterher vielleicht bereuen. Wie wär´s, wenn wir alle mal für eine Minute schweigen und versuchen, uns meditierend zu entspannen?“

Mein Vorschlag kam richtig gut an.

Alle setzten sich im Kreis auf den staubigen Steinboden und legten die Hände in den Schoß.

Papa schloß die Augen und sagte leise „Ommmmmmh…!“

Die Mädels schlossen ebenfalls die Augen.

Ich griff mir einen hölzernen, schweren Hammerstiel und schlug Elfi damit hart auf den Hinterkopf.

Sie fiel um wie ein gefällter Baum.

„Gut geschaltet, Töchterchen!“, rief Papa, packte die Ohnmächtige, warf sie sich über die Schulter und rannte in den Stollen. „Sie hätte uns sonst zuviel Zeit gekostet! Los jetzt! Nur schade, dass ich mit dieser Last nicht so schnell voran komme!“

Ich hatte zwar vorgehabt, Elfi einfach dort liegen zu lassen, damit sie uns nicht noch länger aufhalten konnte, aber ich wollte mich jetzt nicht noch auf eine weitere Diskussion einlassen.

Außerdem lobte mich Julia Zwo in den höchsten Tönen dafür, dass ich Elfi das Leben gerettet hätte und dass sie mir dafür noch einmal sehr dankbar sein werde. Vorausgesetzt, sie überstehe den doch ziemlich heftigen Schlag auf den Hinterkopf unbeschadet.

Ich lachte und meinte, falls nicht, könnten wir Elfi immer noch an RTL 2 oder Pro 7 verkaufen und mit ihrem Leid eine Menge Schotter machen.

So rannten wir heiter schnatternd hinter Papa her, der in dem engen Stollen andauernd Elfis Kopf gegen irgendwelche Felsen oder Stützbalken schrammte. Ich fragte mich gerade, ob sie von den Schlägen aufwachen oder eher noch ohnmächtiger werden würde, als wir uns plötzlich in einer riesigen, unterirdischen Halle befanden.

Ach was, Halle!

Halle ist viel zu schwach ausgedrückt!

Eine Kuppel von unfassbaren Ausmaßen!

Ein Dom! Genau!

(Oder Münster…? Ich weiß nie den Unterschied. Gibt es überhaupt einen? Ethiklehrer fragen!)

Der Stollen, durch den wir gekommen waren, war der direkte Zugang in eine enorme Arena gewesen! Das hatten wir nicht erwartet! Für uns hätte es doch der Lieferanteneingang auch getan.

Auf den voll besetzten Rängen rings herum tobte eine brüllende, singende Masse ausgelassen feiernder Zuschauer. Wie bei einem Fußballspiel.

Riesige Flutlichter mit tausenden von Glühbirnen erhellten den weißen Sand, mit dem der Boden bestreut war. Fanfarenklänge dröhnten uns in den Ohren.

23.7.2007