Dann der Lichtblitz. Absolut geräuschlos. Der gewaltige Knall brauchte fast drei Sekunden, bis er uns erreichte, weil sich Schall nun mal viel langsamer ausbreitet als Licht.
Als es für uns endlich kräftig was auf die Ohren gab, hatte die Explosion das Trio längst planmäßig auf eine exakt berechnete Bahn geschickt, die direkt 100 Meter vor uns, an einem engen Felsdurchstich, endete. Johlend zischten sie über uns hinweg und fielen unverletzt in den großen Sandhaufen, der da vorne aufgeschüttet war.
„Verdammtes Pack! Sind die denn überhaupt nicht klein zu kriegen?“, kreischte Papa und stieß uns Mädchen aus der Kabine. Dann knallte er energisch einen Stein aufs Gaspedal und sprang ebenfalls. Der lichterloh brennende Laster rollte noch ein paar Sekunden, schrammte dann die Zapfsäule vor den Dieseltanks und explodierte.
Wumm! Dicke, schwarze Rauchpilze quollen fauchend in den Himmel, immer wieder von orangenen Glutfontänen durchstoßen. Nacheinander ging das ganze Dieseldepot hoch. Mindestens 5 Tanks, groß wie Einfamilienhäuser. Unter der irrsinnigen Hitzeentwicklung lösten sich meterhohe Brocken aus dem Gestein. Denen hatte wir´s wirklich besorgt!
War jetzt endlich Ruhe im Karton? Bebend blickten wir in die Flammenwand und zählten stumm die Sekunden. Dieses Inferno konnte, das durfte einfach niemand überleben!
„Die Grillsaison ist eröffnet“, grinste Papa. „Kein menschliches Wesen kommt da mehr durch!“
Kein menschliches Wesen. Das stimmte sicherlich. Beruhigende Aussichten!
Im selben Augenblick bemerkten wir allerdings, wo dabei der entscheidende Haken war.
Das genetisch mutierte Winfriedmonster war ja längst kein Mensch mehr! Wie ein Wanderer, der sich im kühlen Schatten eines Waldes erfrischt, schlenderte es lässig durch die glühende Hölle. Es schien die Wärme sogar zu genießen.
„Hmm, lecker!“, lachte das Monster, „Danke auch! Ihr seid echt gut zu mir!“
„Okay“, sagte ich und sah mich nach meinen Mitstreitern um, „hat hier irgendwer Erfahrung im Vernichten unzerstörbarer Feuermonster?“
Papa und die Mädels scharrten verlegen mit den Füßen im Sand. Man konnte deutlich sehen, dass ihnen die Frage unangenehm war.
Zu allem Überfluß tauchten jetzt im Feuer auch noch zwei Gestalten in silbrig glänzenden Asbestanzügen auf. Wie Roboter in einem billigen 50er-Jahre Science Fiction-Film staksten sie dem Monster hinterher. Klar, dass das Hartmut und seine Mutter waren.
„Fuck! Fuck! Fuck! Fuck! Fuck!“ brüllte Papa und kickte einen rostigen Eimer um.
Ich mochte ihm da nicht widersprechen. Irgendwie kamen wir in dieser lästigen Angelegenheit keinen Schritt weiter. Im Gegenteil.
„He, ihr da drüben! Kleines Spielchen gefällig?“
Das Winfriedmonster durfte man wirklich keinen winzigen Moment aus den Augen lassen! Jetzt hatte es auf einmal einen Tennisschläger in der Hand!
„Langsam nervt mich der Kerl!“, murmelte ich.
Aber sein Aufschlag war vorzüglich, das musste ich ihm lassen. Uns flogen die Bälle aus brennendem Phosphor nur so um die Ohren.
19.7.2007