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- Folge 815 -

Hartmut hatte während des Streits mit seinen Bruder ganz vergessen, dass er nebenbei noch einen Flieger steuerte. Zu meiner Freude bemerkte ich jetzt, dass direkt vor uns ein Felsen in die Flugbahn des Fliegers ragte. Zum Ausweichen war keine Zeit mehr. Juhuuu!

„Macht´s gut, ihr Deppen!“ rief ich rüber und fand es schade, dass ich keine Hand frei hatte, um zu winken.

Hartmut bemerkte endlich seinen Fehler und schrie auf, aber es war zu spät.

Es gelang ihm zwar noch, im Reflex den Flieger hoch zu reißen, aber dann schmierte er über die linke Tragfläche ab und rammte das Stahlseil. Wie ein scharfes Brotmesser schnitt das Seil ein Stück vom rechten Flügel ab. Das verstümmelte Gerät torkelte einige Sekunden wie ein betrunkener Albatros, überschlug sich einige Male, trudelte und fiel dann ganz einfach auseinander. Mutter und Söhne purzelten, Saltos schlagend, ins Leere.

Winfried wäre fast vom Propeller in dünne Scheiben geschnitten worden, als er die Flugbahn des Motors kreuzte. Aber eine Millisekunde vor dem Zusammentreffen krachte der Motor aus seiner Verankerung und der Propeller kollidierte mit dem Flammen spuckenden Auspuffrohr. Schade eigentlich. Splitter trafen den Tank, der Tank platzte, ein Schwall fein zerstäubten Flugbenzins quoll sofort zu einer explosiven Wolke und ging in einem Feuerball auf. Die Mutter kriegte die halbe Ladung ab und hatte ganz schön zu tun, im Fall ihre brennende Kittelschürze auszuklopfen. Der Fahrtwind entfachte die Glutherde immer wieder aufs Neue.

Ich wollte gerade in ein höhnisches Freudengeheul ausbrechen, als im selben Augenblick auch unsere Stiefel endgültig durchgebrannt waren. Wir fielen wie ausgeklinkte Bomben unseren Verfolgern hinterher.

Tief unter uns der Grund des Steinbruchs.

12.7.2007